„Die Knappheit von heute finanziert die Überkapazität von morgen“
Dominikus Wagner war zu Gast in der n-tv Telebörse. Dort unterhielt er sich mit Friedhelm Tilgen über der Superzyklus der Chip-Hersteller und seine Skepsis, dass das aktuelle Investitionstempo einfach weitergeht, wie bisher.
Dominikus Wagner…
… über das weitere Potenzial der Chip-Hersteller:
„Zuerst einmal stimmt es, dass mit den stark gestiegenen Chippreisen auch die Gewinne der Unternehmen stark gestiegen sind, die Firmen also eine höhere Substanz haben als zuvor. Insofern ist beim Blick auf die unmittelbare Gegenwart denkbar, dass es einen weiteren Anstieg geben kann, auch wenn ich das nicht prophezeien will. Wichtiger ist: Mittelfristig bin ich skeptisch. Denn vieles hängt davon ab, wie sich die Chip-Nachfrage in der Zukunft entwickeln wird. Fakt ist: Die Firmen erhöhen ihre Kapazitäten enorm, sie investieren stark. Somit könnte man spitz formuliert sagen: Die Knappheit von heute finanziert die Überkapazität von Morgen. Denn wir sollten nicht vergessen, dass es sich bei der Chip-Branche um eine zyklische Branche handelt. Und das Geschäft bleibt zyklisch. Die Börse geht aus meiner Sicht ein Stück weit zu sehr davon aus, dass die Nachfrage so hoch wie aktuell bleibt oder sogar noch weiter steigt.“
… über die Marktpositionierung einzelner Unternehmen:
„Im Chipbereich sind es natürlich die Koreaner, aber auch Micron in den USA. Dennoch sind und bleiben dies Firmen, die Speicherchips herstellen. Aber wir können nicht seriös planen, wie die Hyperscaler in der Zukunft in dem Bereich investieren. Die Investitionen sind schon jetzt sehr hoch: rund 800 Milliarden US-Dollar investieren alleine die Hyperscaler in diesem Jahr. Die Frage ist aber doch, wie sich dieses Investitionsvolumen entwickelt und wie sich dies wiederum auf die Speicherchiphersteller auswirkt. Ich bin ehrlicherweise skeptisch davon auszugehen, dass dieses Investitionstempo einfach weitergeht wie bisher. Wir sollten nicht vergessen: Die Chipnachfrage bleibt ein Superzyklus in einem Zyklus. Deshalb rate ich zur Vorsicht.“