Die Börse liebt Geschichten. Das war schon immer so. Vor gut einem Vierteljahrhundert war es das Internet, heute ist es die Künstliche Intelligenz. Doch Erfolg an der Börse hängt ab von der dauerhaften Qualität eines Geschäftsmodells. Warum, das kommentiert Dominikus Wagner hier.
Die Börse liebt Geschichten. Das war schon immer so. Vor gut einem Vierteljahrhundert war es das Internet, heute ist es die Künstliche Intelligenz. Neue Technologien eröffnen große Chancen und beflügeln die Fantasie. Langfristiger Anlageerfolg hängt jedoch nicht von der Strahlkraft einer Erzählung und der Hoffnung auf rasante Kursgewinne ab, sondern davon, ob ein Unternehmen aus Innovation dauerhaft Kundennutzen, Gewinne und freie Cash Flows schaffen kann. Gerade in Phasen großer Euphorie gerät oft in Vergessenheit: Der Erfolg an der Börse hängt ab von der dauerhaften Qualität eines Geschäftsmodells.
Die vergangenen anderthalb Jahre standen fast ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz. Unsere Portfoliounternehmen Alphabet und Microsoft beispielsweise verbinden Innovation mit etablierten Kundenbeziehungen und hoher Ertragskraft. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen belastbarer Wertschöpfung und weitgehend erwartungsgetriebener Spekulation. Viele Anleger konzentrierten sich jedoch auf Firmen, von denen sie hoffen, dass sie in Zukunft zu den großen Gewinnern der KI-Entwicklung zählen; entsprechende Profitabilität inklusive.
In der allgemeinen Euphorie treten Risiken, Bilanzen und Geschäftsmodellanalyse in den Hintergrund oder werden ganz ignoriert. Andere, langweilige Branchen mit profitablem Wachstum geraten dabei zeitweise aus dem Blick. Besonders betroffen davon waren Hersteller nicht-zyklischer Konsumgüter, obwohl ihre Produkte täglich von Milliarden Menschen genutzt werden, ihre Marken seit Jahrzehnten etabliert sind und ihre Gewinne robust wachsen.
Im ersten Halbjahr 2026 haben wir jedoch eine interessante Entwicklung beobachtet: Das KI-Narrativ wird mittlerweile mit größerer Skepsis betrachtet. Der über viele Wochen mit Spannung erwartete Börsengang von SpaceX löste nur ein kurzes Börsenfeuerwerk aus. Ob und wann OpenAI und Anthropic ihren geplanten Börsengang vollziehen, ist ungewiss. In dieser Gemengelage gibt es erste Anzeichen, dass Investoren wieder verstärkt nach Unternehmen mit verlässlichen Erträgen und freien Cash Flows sowie starken Bilanzen suchen. Das gilt auch für unsere Unternehmen aus dem Bereich der Consumer Staples.
Unsere Consumer Staples sind dabei nicht gegen jeden Gegenwind gänzlich immun. Vorsichtige Verbraucher, Downtrading, stärkere Eigenmarken, höhere Kosten und zeitweise schwächere Volumina stellen auch sie vor Herausforderungen. Unternehmen wie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive, Church & Dwight oder Nestlé verfügen jedoch über Eigenschaften, die ihnen helfen, solche Phasen sehr eindeutig zu bewältigen: starke Marken, stetige Innovation, differenzierte Preisarchitekturen, geringe Kapitalintensität und hohe freie Cash Flows. Sie können weiter investieren, wenn andere sparen müssen.
Bemerkenswert ist für uns daher weniger eine kurzfristige Kursbewegung als die verbesserte langfristige Ausgangslage. Wenn Aktienkurse fallen, während Geschäftsmodell, Bilanz und Ertragskraft intakt bleiben, sinkt die Bewertung. Das ist für bestehende Investoren zunächst unangenehm, verbessert aber das langfristige Chance-Risiko-Verhältnis. Eine schnelle Neubewertung lässt sich daraus nicht ableiten - wohl aber eine höhere potenzielle Ausgangsrendite.
Diese Entwicklung erinnert an den Kern unseres Investmentansatzes. Wir investieren weder in Schlagzeilen noch gegen sie. Wir beteiligen uns an Unternehmen, die auch unter veränderten Rahmenbedingungen Werte schaffen können.
Wir überprüfen unsere Investmentthesen fortlaufend: Langfristigkeit bedeutet für uns nicht Starr- oder gar Sturheit, sondern Besitzen und Überprüfen von Geschäftsmodell, Wettbewerbsvorteilen, Kapitalrendite, freien Cash Flows und Bewertung.
Consumer Staples bleiben für uns deshalb der Fels in der Brandung, weil ihre Geschäftsmodelle auf täglich benötigten Produkten, starken Marken und wiederkehrenden Cash Flows beruhen und nicht, weil ihre Aktien jederzeit steigen. Darauf und auf der Qualität unseres gesamten Portfolios, das auch von den Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz profitiert, gründet unser bodenständiger Optimismus: nicht auf einer Glaskugel, sondern auf unternehmerischer Substanz zu vielfach nun günstigeren Bewertungen. Verbunden mit den Faktoren Disziplin und Geduld.