Wenn vor allem gekauft wird, was an der Börse gut gelaufen ist, werden unternehmerische Substanz, Bewertung und Risiken leicht übersehen. Momentum kann kurzfristig durchaus starke Ergebnisse liefern, ist aber langfristig als Investmentansatz ungeeignet.
Momentum belohnt Kursbewegungen, nicht unternehmerische Wertschöpfung.
Indexmechanik verstärkt Risiken statt sie zu verteilen.
Langfristiger Investmenterfolg entsteht durch Disziplin, nicht durch den Versuch, den Markt zu timen.
Momentum ist ein starker, aber trügerischer Börsenmechanismus. Das war und ist derzeit am Aktienmarkt wieder gut zu beobachten: Aktien, deren Kurs zuletzt bereits stark gestiegen war, steigen häufig, auch über längere Zeiträume, weiter. Aber nicht, weil sich der Wert des Unternehmens gemessen an Gewinn und Geschäftsmodell verbessert hätte, sondern weil das „Anlagekapital“ reflexhaft dem Trend steigender Kurse folgt. Das strukturelle Problem dieser „Strategie“ liegt auf der Hand: Sie navigiert einzig durch den Blick in den Rückspiegel. Was steigt, wird gekauft. Was stark steigt, wird stark gekauft. Was fällt oder seitwärts läuft, wird links liegengelassen, selbst wenn Qualität und Wert steigen.
Als unternehmerisch denkende Investoren setzen wir diesem Rückspiegel-Fokus ganz bewusst den Blick durch die Windschutzscheibe bzw. auf die Unternehmen selbst entgegen. Während Momentum-Anleger schauen, welche Aktie zuletzt gut gelaufen ist, analysieren wir die tatsächliche Antriebskraft: Welches Unternehmen verdient dauerhaft Geld und generiert auch übermorgen noch verlässliche Cash Flows? In bestimmten Marktphasen kann der Momentum-Mechanismus erstaunlich lange funktionieren. Er ist jedoch kein langfristiger Investmentansatz, sondern bleibt ein temporäres Marktphänomen, das Investoren lange in trügerischer Sicherheit wiegt, weil sein Ende meist plötzlich und unerwartet kommt.