Zu Beginn des KI-Infrastrukturbooms dominierte das Denken in „Tonnage“: Welches Unternehmen baut mit welchen KI-Chips wie viel Rechnerleistung auf? Diese Sicht bleibt wichtig. Aber: Irgendwann ist in dieser Logik genügend Kapazität aufgebaut und jede zusätzliche Einheit kostet nur noch Geld, ohne eine angemessene Rendite zu erzielen. Kapital wird vernichtet.
Wenn eine KI mit weniger Aufwand das gleiche Ziel erreichen kann, dann benötigen die Unternehmen ja weniger Rechenkapazität als geplant, also sind einige der Investitionen in KI-Rechenzentren plötzlich überflüssig. Aber dieser Gedanke springt zu kurz.
Der Denkfehler liegt gerade im Festhalten an dieser Tonnenideologie. In der Aufbau- und Einführungsphase neuer Technologien mag diese Sicht wichtig sein. Mit dem Fortschritt verliert sie an Bedeutung. An ihre Stelle tritt das Effizienzdenken: Chips und Prozessoren, also sogenannte GPUs, werden je Recheneinheit günstiger. KI-Modelle werden leistungsfähiger. Zugleich entstehen immer neue Anwendungen. Günstigere Angebote ziehen mehr Nutzer an. Die wachsende Verbreitung senkt die Kosten. gleichzeitig geben mehr Nutzer mehr Geld dafür aus oder verdienen mit neuen Anwendungen Geld.
Genau diese Entwicklung sehen wir bei KI. Je günstiger und leistungsfähiger Rechenleistung wird, desto mehr Anwendungen rechnen sich. Wir erleben gerade den Übergang von klassischen KI-Anwendungen, etwa dem Training von Sprachmodellen, hin zu agentischer KI. Effizientere Hardware und Software senken die Kosten je Recheneinheit. Gleichzeitig wächst der Einsatzbereich durch KI-Agenten weiter.
Das verändert unsere Einschätzung von Nvidia. Wir schauen nicht mehr nur auf die Menge der verkauften Chips. Wir betrachten die wirtschaftliche Produktivität der gesamten Plattformlösung von Nvidia. Das Unternehmen verbindet GPUs, CPUs, Netzwerktechnik und Software zu einer Infrastruktur. Mit dieser Infrastruktur lässt sich eine wachsende Zahl von KI-Anwendungen wirtschaftlich betreiben.
Der entscheidende Punkt für uns ist: Effizienz senkt die Nachfrage nach Rechenleistung nicht. Sie macht Rechenleistung wirtschaftlich attraktiver. Über das Wachstum der Einsatzfelder entsteht so zusätzliche Nachfrage nach Rechenleistung. Bei Nvidia sehen wir heute einen Wettbewerbsvorteil als Anbieter einer Gesamtlösung, der über die Leistungsfähigkeit einzelner Speicherchips hinausgeht.