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Visa: unglaublich, aber wahr

25.06.2026

Die US-Konsumstimmung ist mau, der Tourismus leidet unter dem Irankrieg und Stablecoins, Wallets oder KI-Agenten nähren Zweifel, ob Visa künftig umgangen werden könnte. Und Visa? Präsentiert Rekordgeschäftszahlen für das zweite Quartal. Warum, erklären wir hier.

  • Stärkstes Wachstum seit 2022 mit plus 16 % auf 11,2 Mrd. US-Dollar.

  • KI-Agenten und Kryptowährungen erweitern das Geschäftspotenzial.

  • Kooperation schafft Schnittstelle zum chinesischen Zahlungsverkehr.

Weltmeister der Skaleneffekte

Mit einem organischen Wachstum von 16 % treibt Visa den Umsatz auf 11,2 Mrd. US-Dollar, das stärkste Plus seit 2022. Lässt man die Post-Pandemie-Erholung sowie die Übernahme von Visa Europe außen vor, ist es sogar das höchste Wachstum seit 2013. Robuster geht es kaum. Die Dynamik von Visa ist unglaublich, aber wahr.

Die Zahlen bestätigen unsere zentrale Investmentthese: Visa ist der führende Hyperscaler des Zahlungsverkehrs und Weltmeister der Skaleneffekte. Dank technologischem Fortschritt steht das Unternehmen erst am Anfang eines noch höheren Wachstumspfades.

Getragen wurde das Quartal nicht nur von einer Zukunftserzählung, sondern von harten operativen Kennzahlen: Das Bezahlvolumen stieg organisch um 9 % auf 3,7 Billionen US-Dollar, die Zahl der Bezahltransaktionen um 9 % auf 66 Milliarden. Besonders profitabel: Die grenzüberschreitenden Transaktionen legten um 12 % zu.

Investitionen und Innovationen zahlen sich aus

Der Zahlungsverkehr wächst seit Jahren, ständig entstehen neue Möglichkeiten – etwa durch Kryptowährungen, Smartphone-Zahlungen oder bald auch Transaktionen, die von KI-Agenten gesteuert werden. Bei nahezu jeder neuen Zahlungsart melden sich Skeptiker und prophezeien mit schöner Regelmäßigkeit, wenn nicht das Ende von Visa, so dann doch wenigsten einen Einbruch des Geschäfts. Sie unterstellen gerne ein Nullsummenspiel: Wer mit Kryptowährung zahlt, nutzt keine Bank mehr; wer das Smartphone an der Kasse zückt, lässt die Kreditkarte in der Tasche, Visa müsse also auf Dauer verlieren. Doch diese Sicht verkennt den Kern von Visas Geschäftsmodell als Skalierungsweltmeister unter den Zahlungsabwicklern.

Absolute Ausnahmestellung bestätigt

„Normalerweise“ sorgen die Zahlen im Quartal nach dem Weihnachtsgeschäft nicht für allzu große Begeisterung: Viele Käufer haben sich zu Weihnachten oder Thanksgiving ihre Wünsche – etwa ein neues Smartphone – erfüllt und legen im folgenden Quartal eine Pause ein.

Vor diesem Hintergrund sind die Zahlen, die Apple für die Monate Januar bis März vorlegt, alles andere als „normal“: Apple steigerte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 den Umsatz auf 111,2 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 16,6 %. Der US-Dollar verlor im Jahresvergleich 2,5 % gegenüber Auslandswährungen, so dass das organische Umsatzwachstum 14,1 % betrug. Damit übertraf Apple klar die eigene Prognose und bewies einmal mehr seine absolute Ausnahmestellung unter den Daily Used Tech-Firmen.

Denn Apple gelang das Kunststück, im Vergleich zum starken Weihnachtsquartal das Wachstumstempo unter erschwerten Bedingungen hochzuhalten. Spürbare Lieferkettenprobleme etwa bei den benötigten Speicherchips sorgten für Widerstand. Sie konnten Apples Wachstumsdrang aber nur bremsen, nicht aufhalten. Dass Apple also das sehr hohe Niveau hält, ist bemerkenswert und widerlegt viele Kritiker, die noch vor Jahresfrist vor einem Flop des iPhone 17 warnten, weil Apple beim Thema Künstliche Intelligenz der Konkurrenz abgeschlagen hinterherhinke. Es wurde sogar schon ein möglicher Nokia-Moment für Apple an die Wand gemalt…

Der Kuchen wächst – und es kommen neue hinzu

Doch der Kuchen wird nicht einfach nur anders verteilt, er wird größer und größer. Durch Kryptowährungen, Blockchain etc. entstehen völlig neue Märkte und Absatzpotenziale, aus denen sich Visa wie kaum ein Zweiter große Kuchenstücke herausschneiden kann. So wächst Visa bei allen Geldbewegungen fast ungebremst, egal ob Zahlungen von Verbrauchern, Unternehmen, Fintechs, Wallets oder Apps, egal ob Karten oder Nicht-Karten-Zahlungen. Im Grunde spielt es für das Geschäftsmodell von Visa keine Rolle, ob eine Transaktion in Kryptowährung oder in US-Dollar, per Kreditkarte oder Wallet erfolgt. Entscheidend ist, dass die Zahlung sicher und schnell über eine leistungsfähige Plattform bzw. Infrastruktur von A nach B fließt.

Visa mit größtem IT-Netzwerk der Branche

Genau hier führt Visa unangefochten den Markt an. Mit Visa-Net betreibt das Unternehmen das größte IT-Netzwerk der Branche. In über 200 Ländern und 160 Währungen wickelt Visa Zahlungen zwischen Verbrauchern, Händlern und Banken ab – ohne selbst Kredite zu vergeben oder Karten auszustellen. Oft bleibt Visa dabei „unter dem Radar“ der Marktbeobachter. Vielleicht unterschätzen deshalb viele Anleger die technologische Führungsrolle von Visa im globalen Zahlungsverkehr. Das Erfolgsrezept dabei ist einfach: Enorme Skaleneffekte plus minimale Kosten ergeben sagenhafter Gewinn.

Nur wenigen ist bewusst, dass Visa ein echtes Tech-Unternehmen aus dem Silicon-Valley ist. Erst moderne Technologie ermöglichte die Automatisierung der Zahlungsabwicklung und schuf die Basis für dieses globale Netzwerk. Bis heute setzt Visa modernste Technik ein, etwa für Echtzeit-Zahlungen via Visa Direct, und nutzt Künstliche Intelligenz, lange bevor KI durch ChatGPT von OpenAI zum Megathema wurde.

KI eröffnet mit Agentic Commerce neue Potenziale

Jetzt erweitern Künstliche Intelligenz und Agentic Commerce (kurz AC) den adressierbaren Markt von Visa ganz erheblich und stärken somit das langfristige Wachstumspotenzial. Wie schon bei E-Commerce und Mobile Commerce wird Visa auch bei Agentic Commerce unseres Erachtens zu den großen Gewinnern zählen.

Denn Agentic Commerce lässt die Zahl der Transaktionen rasant steigen, weil KI-Agenten etwa Käufe in mehrere Transaktionen aufteilen, um Preise zu optimieren. Zudem könnten neue Zahlungskategorien entstehen, wenn KI-Agenten beispielsweise für die Datenbeschaffung oder den Ressourcenverbrauch zahlen und so viele Mikro-Transaktionen auslösen.

KI-Agenten helfen auch, Störungen bei B2B-Transaktionen zu eliminieren, indem sie Zahlungen automatisch auslösen, sobald eine Rechnung eingeht oder fällig wird. Das wird einen weiteren Boost für virtuelle Karten bzw. die Tokenisierung bedeuten.

Für die „agentische“ Zahlungswelt ist vor allem Visas Tokenisierung zentral. Visa ist bei Tokens seit Jahren führend; sie sind im E-Commerce bereits eine wichtige Sicherheitsgrundlage und dürften für Agentic Commerce noch wichtiger werden. Mit Intelligent Commerce Connect hat Visa zudem eine Schnittstelle vorgestellt, die Agentenentwickler, Händler und Zahlungsdienstleister an Visa-Tokens und sichere Bezahlprozesse heranführt. Erste echte Transaktionen mit Visa Agentic Tokens zeigen, dass dies nicht nur Theorie ist.

Parallelen zu Kryptowährungen

Das Potenzial der KI-Anwendungen für Visa zeigt auch das Beispiel von Stablecoins und Blockchain. Als Kryptowährungen im Zahlungsverkehr auftauchten, fürchteten viele um die Zukunft von Visas Geschäftsmodell. Doch das Gegenteil trat ein: Kryptowährungen wurden zum Katalysator, weil Visa mit seiner IT-Plattform eine Schlüsselstellung zwischen Blockchain-Infrastruktur und Anwendern einnimmt. „Stablecoins und Blockchain bieten enorme Chancen, und wir haben die Rolle von Visa als zentrale Interoperabilitätsschicht zwischen dieser leistungsstarken Infrastruktur und realen Lösungen für die Nutzer etabliert“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ryan McInerney bei der Vorstellung der Quartalszahlen. „Wir verzeichnen derzeit ein jährliches Abwicklungsvolumen bei Stablecoins in Höhe von 7 Mrd. US-Dollar, und es wächst rasant – seit dem letzten Quartal um mehr als 50 %.“ Ähnlich dürfte es bei KI-Agenten laufen, die neue Zahlungsströme schaffen und dabei die Infrastruktur von Visa nutzen.

Entscheidend ist: Visa positioniert sich nicht gegen Blockchain, sondern als Brücke zwischen On-Chain-Infrastruktur und realen Zahlungsanwendungen.

Visa monetarisiert KI schon heute

Wie sehr Visa selbst schon heute KI monetarisiert, zeigt der Bereich Value Added Services (VAS). Dieser Wachstumsturbo legt mit 25 % organischem Wachstum weiter zu. Mittlerweile steuern die VAS rund 30 % zum Umsatz. Sie verschaffen Visa nachhaltige Wettbewerbsvorteile, die KI weiter verstärkt. „Der Bereich Mehrwertdienste bietet noch größere Chancen und hat sich als wichtiger Wachstumsmotor bewährt“, sagte McInerney.

Kooperationen erschließen neue Kundengruppen

Im zweiten Quartal schloss Visa neue Partnerschaften, die Millionen neue Kunden bringen. Die Vereinbarung mit TikTok zur Ausgabe einer Debit-Karte speziell für Content-Produzenten ist ein Beispiel. In Japan, wo noch die Hälfte aller Zahlungen bar erfolgt, arbeitet Visa mit dem Mobile-Payment-App-Betreiber PayPay und dessen 40 Millionen Nutzern zusammen. Solche Partnerschaften lassen Visa Direct, das größte globale Zahlungsnetz, auf 18 Milliarden Endpunkte anwachsen. Bald stößt auch der Kurznachrichtendienst X hinzu. Wichtig: Visa stellt Partnern das Netzwerk für Kartentransaktionen bereit, tritt aber nicht als Kreditgeber auf und trägt keine damit verbundenen Risiken.

Meilenstein Schnittstelle nach China

Mit der Kooperation mit UnionPay, der Nummer zwei bei globalen Kartentransaktionen und Marktführer in China, erreicht Visa einen echten Meilenstein. Die Schnittstelle zwischen beiden Netzen ermöglicht künftig grenzüberschreitende Echtzeit-Transfers mit China.

Für die KI-Ära ist Visa bestens aufgestellt

Visa betreibt das größte Netzwerk mit einer enormen Reichweite: 175 Millionen Verkaufspunkte, 5 Milliarden Karten in 200 Ländern und Regionen, 14.500 angeschlossene Finanzinstitute.

Sicherheit gewinnt im Zahlungsverkehr durch KI-Agenten weiter an Bedeutung. Mit 300 Milliarden Transaktionen jährlich – 900 Millionen am Tag – zeigt Visa, dass die Firma Risiken und Betrug unter Kontrolle hat.

Visa genießt durch reibungslose Abläufe großes Vertrauen bei Verbrauchern, Banken und Unternehmen. „Ich glaube, der entscheidende Faktor für den Agentic Commerce ist Vertrauen, wir sind sehr zuversichtlich, dass wir diese Geschäfte abschließen können“, sagte McInerney. Vor dem Hintergrund der rasanten Geschäftsentwicklung hob McInerrey die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 an. Er erwartet nun ein organisches Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, also rund 13 %.

Die operativen Zahlen zeigen die außergewöhnliche Qualität des Geschäftsmodells auch finanziell: Die operative Marge lag im Quartal bei 64,4 %, die um Working-Capital-Veränderungen bereinigte Free-Cashflow-Marge bei 58 %. Die Nettoschulden betragen nur rund 13,9 Mrd. US-Dollar bzw. etwa 0,6x des erwarteten Jahres-Free-Cash-Flows; die Kapitalrendite liegt bei rund 47 %.

Visa: Unternehmerisch relevante Finanzkennzahlen Q2 Geschäftsjahr 2026

Umsatz 11,2 Mrd. USD
Umsatzwachstum (organisch) 16,0 %
Operative Marge 64,4 %
Free Cash Flow (FCF) 6,5 Mrd. USD
Free Cash Flow-Marge 58,0 %
Nettofinanzposition (inkl. Net Working Capital) -13,9 Mrd. USD
Eigenkapital 35,7 Mrd. USD
Eigenkapitalquote 37,7 %
Kapitalverzinsung (RoCe) 47 %
Enterprise Value ≈ 27 x FCF FY2026e

Wertentwicklungen der Vergangenheit bieten keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen. Quelle: Geschäftsbericht Visa, Berechnungen Wagner & Florack

Stand: 31.05.2026

Fazit: Visa ist und bleibt der Skalenweltmeister

Visa hat im zweiten Quartal eindrucksvoll gezeigt, dass das Unternehmen auch in herausforderndem Umfeld hervorragende Ergebnisse erzielt. Das starke Wachstum bestätigt unsere Investmentthese: Visa profitiert als führender Infrastrukturanbieter im globalen Zahlungsverkehr von nahezu jeder Form digitaler Geldbewegung – ob über Karten, Wallets, Stablecoins oder künftig KI-Agenten. Das Geschäftsmodell erweist sich als robust, der Burggraben mit eigener IT-Plattform als intakt.

Neue Technologien erweitern den adressierbaren Markt, statt den Burggraben anzugreifen. Gleichzeitig stärken neue Partnerschaften und die Kooperation mit UnionPay die globale Reichweite. Mit seinem einzigartigen Netzwerk, der technologischen Führungsrolle bleibt Visa für uns ein Weltklasseunternehmen mit attraktiven langfristigen Wachstumsperspektiven. Visa bleibt damit eines der profitabelsten und kapitalleichtesten Infrastrukturunternehmen weltweit.

Lesen Sie hier den Investorenbrief 06/2026

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