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Deutsche Börse: strukturell auf Kurs

29.04.2026

Die Deutsche Börse wächst. Hinter den starken Zahlen steht ein robustes Geschäftsmodell mit klarer strategischer Ausrichtung, die auch kurzfristige Markteffekte überdauert.

  • Strukturelles Wachstum: Rekordzahlen 2025 und Dynamik in allen Kernsegmenten.

  • Robustes Geschäftsmodell: Wiederkehrende Erlöse sorgen für Stabilität.

  • Strategischer Ausbau: Akquisitionen und Plattformstrategie stärken die Marktposition.

Gelungene Transformation zum Software- und Datenanbieter

2025 markierte ein neues Rekordjahr in der Geschichte der Deutsche Börse. Das starke Wachstum wurde vor allem durch den Geschäftsbereich Trading & Clearing getragen. Die hohe Nachfrage nach Absicherungen führte zu deutlichen Zuwächsen bei Zinsderivaten und im Energiehandel, insbesondere bei Gas. Auch die Rotation in europäische Aktien und Wechselkursentwicklungen beflügelten das Geschäft. Die Fondsabwicklung und -distribution wuchs zweistellig. Für 2026 erwartet die Deutsche Börse einen Umsatzanstieg auf 5,7 Mrd. Euro. Zudem plant sie, die restlichen 20 % von ISS STOXX für 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen und die Tochter nach Absage des Börsengangs vollständig zu kontrollieren.

Künstliche Intelligenz und Plattformbetreiber

Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz nimmt zu – auch für Plattformbetreiber wie die Deutsche Börse. In welchem Umfang das Narrativ des KI-Disruptionsrisikos die Deutsche Börse betrifft, ordnete CEO Stephan Leithner jüngst in einem Investoren-Call ein.

Begrenzte Relevanz

Nur 5 % des Konzernumsatzes könnten durch KI beeinflusst werden – vor allem bei ISS STOXX (Daten) und SimCorp (Software). SimCorps Wert liegt jedoch nicht in der von KI replizierbaren Softwareoberfläche. Sie liegt vielmehr in der konsistenten Datenklarheit über gesamte Prozessketten hinweg, ohne das Risiko von KI-Halluzinationen. Große Finanzinstitutionen benötigen diese Prozess- und Rechtssicherheit, das Risiko durch den Einsatz fehlerhaft generierter Daten ist ihnen zu groß. Leithner betonte gleichwohl, dass auch die Deutsche Börse KI in die Workflows integrieren werde, jedoch nicht in Bereichen, die die Datensicherheit und -qualität gefährden können.

Schutzwall Qualitätssicherung der Datenbasis

Bei ISS ist die Qualitätssicherung der Datenbasis ein Schutzwall. Die Datensätze sind über Jahre von Fehlern befreit worden; es sind verlässliche, regelkonforme, auditierbare Daten für sensible, regulierte Anwendungen. KI kann auditierbare, regulierte Datenprodukte nicht ohne Weiteres ersetzen. Sie kann aber einzelne Arbeitsschritte in Datenproduktion, Datenabfrage und Softwarebedienung automatisieren und dadurch langfristig Preisdruck erzeugen. Unseres Erachtens liegt der wahre Burggraben dabei weniger in der „Datenklarheit“ an sich als vielmehr in der regulatorischen Zertifizierung: KI mag Informationen generieren, aber die Deutsche Börse bezeugt diese rechtssicher und haftbar für das globale Finanzsystem.

KI ist kein Ersatz für regulierte Marktinfrastruktur

KI ersetzt weder regulierte, systemkritische Marktinfrastruktur, noch qualitätsgesicherte Prozessketten. Unseres Erachtens verweist CEO Stephan Leithner mit den Argumenten Rechtssicherheit, Prozesssicherheit und KI-Workflow-Integration auf die zentralen Punkte, die in der gegenwärtigen recht oberflächlichen Debatte mit dem Tenor „KI frisst Software“ und „KI frisst Daten“, nicht hinreichend berücksichtigt werden.

Kernbereiche mit Wachstum

Das Geschäft der Deutschen Börse gliedert sich in vier Bereiche, die alle strukturell wachsen und hohe wiederkehrende Umsätze generieren.

+4 % organisches Wachstum (oW), 25,6 % Umsatzanteil in 2025. Das Index- und ESG-Geschäft der Tochter ISS STOXX
sowie die Dienstleistungen der 2023 übernommenen Software-Tochter SimCorp.

+9 % oW, 44,9 % Umsatzanteil in 2025. Das regulierte Geschäft mit Handel und Verwahrung von Wertpapieren (Derivate, Commodities, FX und digitale Assets) profitiert vom Anstieg der Marktvolatilität, weil in Stressphasen die Handelsaktivität und die Nachfrage nach Derivaten zunehmen. Trotz des harten Wettbewerbs durch außerbörsliche Handelsplätze (OTC) und “Dark Pools” behauptet sich die Deutsche Börse durch überlegene Margen-Effizienz (Cross-Margining).

+13 % oW, 9,3 % Umsatzanteil in 2025. Fondsabwicklung und -verwahrung mit über 700 Mrd. Euro Asset under Administration. Plattformen: Clearstream, FundsDLT, Kneip und Vestima.

Treasury-Ergebnis: Zusatzgewinne durch hohe Zinsen

Das Treasury-Ergebnis umfasst das sog. Nettozinsergebnis aus dem Bankgeschäft. Es handelt sich also um die Nettozinserträge und Entgelte aus hinterlegten Sicherheiten und hängt von den Marktzinsen ab – ein Faktor, den das Management nicht beeinflussen kann. Hohe Zinsen bringen Zusatzgewinne, niedrige Zinsen lassen diese Quelle versiegen. Deshalb ist es sinnvoll, den Umsatz ohne das Treasury-Ergebnis zu betrachten, um die originäre operative Leistung von Unternehmen und Management zu beurteilen.

2025 wuchs der Umsatz ohne das Treasury-Ergebnis um 9 % auf 5,2 Mrd. Euro. Das Treasury-Ergebnis sank zinsbedingt um 20 % auf 837 Mio. Euro. Dank striktem Kostenmanagement stiegen die operativen Kosten nur um 3 %, während das um das Treasury-Ergebnis bereinigte EBITDA um 14 % auf 2,7 Mrd. Euro anstieg.

Strategische Weichenstellungen

Und der Ausblick? Erst vor kurzem hat die Deutsche Börse einen wichtigen Meilenstein erreicht. Im März stimmten die Aktionäre von Allfunds, Europas größter Fondsvertriebsplattform mit über 1,7 Billionen Euro Assets under Administration, der Übernahme durch die Deutsche Börse zu. Durch den Ausbau des Fondsgeschäfts wird das Geschäftsmodell durch die Erhöhung des Anteils wiederkehrender Umsätze nochmals resilienter. Darüber hinaus verbessert sich auch die regionale Diversifizierung, weil Allfunds vor allem in Frankreich, Italien und Spanien präsent ist.

Mit einem Volumen von 5,3 Mrd. Euro wäre dies die größte Übernahme in der Geschichte der Deutschen Börse, nach der 2023 erfolgten Übernahme von SimCorp (3,9 Mrd. Euro). Die Aktionäre von Allfunds haben der Transaktion bereits zugestimmt; der Abschluss steht jedoch noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet. Die kurzfristige Integrationslast, das Management der Synergien (ca. 60 Mio. Euro Kostensynergien werden angestrebt) und das mit der Übernahme einhergehende, sich verändernde Verschuldungsprofil gilt es dabei im Auge zu behalten.

Pläne im Bereich der Kryptoplattformen

Des Weiteren plant die Deutsche Börse den Einstieg in die Kryptoplattform Kraken. Für 200 Mio. US-Dollar erwirbt sie 1,5 % der US-Muttergesellschaft Payward. Die Partnerschaft umfasst Handel, Verwahrung, Abwicklung, Sicherheitenmanagement und tokenisierte Vermögenswerte und unterstreicht das Ziel, die Deutsche Börse auch bei digitalen Vermögenswerten zu einem führenden Dienstleister zu machen. Der wirtschaftliche Beitrag ist kurzfristig gering; strategisch geht es aber um die Brücke zwischen traditioneller Marktinfrastruktur und digitalen Assets unter Berücksichtigung der regulatorischen Risiken.

Fazit: Schutzwall Datenqualität

Die Deutsche Börse hat ihr Geschäftsmodell in den letzten Jahren fundamental gewandelt: Weg vom rein zyklischen Handelsplatzbetreiber, hin zu einem hochprofitablen, globalen Technologie- und Datenunternehmen. Das Geschäftsmodell ist heute weit weniger abhängig von volatilen Handelsvolumina und dadurch resilienter denn je. Durch die geschickte Verstärkung des Clearing- und Verwahrgeschäfts sowie die Integration von SimCorp in das Segment Investment Management Solutions betreibt die Deutsche Börse ein qualitativ hochwertiges Geschäftsmodell, ist hochprofitabel und strukturell auf Kurs.

Auf der gelungenen Transformation zum Software- und Datenanbieter ruht sich das Unternehmen aber nicht aus. Innovationskraft wird auch in Zukunft gefragt sein, um die führende Stellung auch mit der fortschreitenden Digitalisierung und Tokenisierung traditioneller Wertpapiere aufrechtzuerhalten. Mit Künstlicher Intelligenz geht die Transformation des Geschäftsmodells somit weiter. Dabei ist Künstliche Intelligenz für die Marktinfrastruktur weniger ein unmittelbares Verdrängungsrisiko als vielmehr ein technologischer Beschleuniger, da die regulatorische Systemrelevanz und die auditierbare Datenqualität einen natürlichen Schutzwall bilden.

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