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Dominikus Wagner im Interview: „Was die Börse gerne übersieht“

25.11.2025
Auf dem Bild ist Dominikus Wagner, der Mitgründer und Fondsmanager von Wagner und Florack zu sehen
Der US-Dollar schwächelt, Investoren sind verunsichert. Gerade aus europäischer Sicht trifft die Dollarschwäche Investments in US-Unternehmen hart. Fordert das zum Handeln heraus?

Dominikus Wagner: Wir sind an US-Firmen beteiligt, weil sie großartig sind, nicht, weil sie aus den USA kommen. Aber ja, der schwächer gewordene US-Dollar hat die Performance spürbar gebremst. Aber, und das zeigt sich in der Regel erst mit Verzögerung, wirkt der schwache Dollar in den US-Bilanzen wie Rückenwind. Für global aufgestellte US-Firmen werden Auslandsumsätze in US-Dollar umgerechnet wertvoller: Das stärkt den Bilanzgewinn, der Unternehmenswert steigt und damit nachgelagert der Aktienkurs. Das zeigen nun bereits viele Quartalsberichte. Und vice versa werden etliche europäische Firmen vor Herausforderungen gestellt.

Sie meinen Herausforderungen für europäische Firmen durch den schwachen US-Dollar?

Dominikus Wagner: Ja, genau. Sollte der Dollar schwach bleiben oder noch schwächer werden, werden die Euro-Firmen einen ähnlichen Druck aushalten müssen, wie das die Schweizer Firmen seit Jahren haben. Bei Schweizer Firmen landen durch den festen Schweizer Franken seit Jahren Teile der im Ausland erzielten Umsätze bei der Umrechnung in Schweizer Franken im Nirwana. Der Unternehmensgewinn wird also negativ belastet. Und trotzdem entwickelten sich gute Schweizer Firmen auch gut: Das liegt an der Robustheit und der Profitabilität der Geschäftsmodelle.

Plus: Der Fremdwährungs-Gegenwind zwingt die Firmen zu kontinuierlicher Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, um dieser notorischen Margenbremse entgegenzuwirken - mit Innovationskraft und Effizienzverbesserungen. Kapitalleichte Geschäftsmodelle sind im Vorteil, weil sie am veränderungsfähigsten sind. Viele europäische Firmen sind also derzeit gefordert und selbst die Analystenschar schaut skeptisch darauf. Gute europäische Firmen, die auch den Willen zu mehr Effizienz haben, werden dem begegnen können. Andere nicht.

Apropos Skepsis: Die Skepsis gegenüber vielen Konsumgüterherstellern hält sich aber an der Börse hartnäckig.

Dominikus Wagner: Ich würde nicht unbedingt von Skepsis sprechen, sondern davon, dass nicht-zyklische Konsumaktien mit Defensivqualitäten vom “Markt” links liegen gelassen wurden. Und ja, das ist hartnäckig, aber vor allen Dingen: ungerechtfertigt! Denn die Firmen, zumindest die wettbewerbsüberlegenen, entwickeln sich gut. Und es scheint, dass das „Pendel der Gunst“ so langsam auch Richtung Consumer Staples zurückschwingt. Nicht nur wegen vieler Krisen und zunehmender Risiken, sondern auch wegen ihrer inzwischen günstigen Bewertungen. Ob die Renaissance der Langweiler bereits eingesetzt hat oder noch kommt, bleibt abzuwarten.

Klar ist jedoch: Der Markt wird die Gesetze von Ökonomie und Mathematik nicht dauerhaft ausblenden können. Das gilt sowohl für die zu hohen Bewertungen vieler unprofitabler, hoch verschuldeter Firmen, nicht nur aus dem KI-Bereich, sondern eben auch für die attraktive Bewertung der Consumer Staples mit verlässlichem, profitablem Wachstum.

Das wird die Börse auf Dauer goutieren bzw. goutieren müssen. In jedem Fall halten wir als unternehmerisch denkende Investoren an unseren Consumer Staples fest. Nicht dogmatisch, sondern aus Überzeugung: Seit Jahren sind es diese „Langweiler“, die uns bei langfristig geringen Portfoliorisiken sehr ordentliche Renditen geliefert haben und vor allem: liefern werden.

Ein anderes „Megathema“ ist KI – wo liegen aus Ihrer Sicht die Potenziale und Risiken?

Dominikus Wagner: Auch hier schauen wir auf einzelne Unternehmen, nicht einfach nur auf einen allgemeinen Trend. Vor allem Google, aber auch Microsoft, zeigen ihre Vorreiterrolle bei KI und Quantencomputing. Richtig ist: Unsere Daily Used Tech-Firmen investieren massiv in KI. Der Unterschied zu den meisten KI-Firmen liegt darin, dass unsere Portfoliofirmen aufgrund ihrer höchstprofitablen Kerngeschäftsfelder das Geld dafür haben und trotz hoher Investitionen hoch profitabel sind.

Ein weiterer Unterschied ist, dass sie ihre KI-Investitionen bereits monetarisieren, während viele andere Firmen defizitär arbeiten und ihre Schulden steigen. Firmen, die meist auch noch astronomisch hoch bewertet sind. Angesichts dieser Sorglosigkeit des Marktes fühlen wir uns mit unseren robusten Technologiefirmen und unseren anderen Gewinnmaschinen sehr wohl. In dem Kontext gewinnt die Diskussion um die Consumer Staples eine weitere, wichtige Dimension. Robuste Geschäftsmodelle und stabile Bilanzen sind kein Selbstzweck, sondern Grundlage, um Krisen nicht nur zu überstehen, sondern selbst dann weiter profitabel zu wachsen.

Lesen Sie hier den Investorenbrief 11 2025

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