Newsletter LinkedIn Instagram

Rückblick 2025: Ein Jahr der Extreme und Verzerrungen

26.01.2026

Anlayse zu den Geschäftszahlen von Alphabet und Google.

US-Dollar-Schwäche, politische Unsicherheit und KI als Marktnarrativ dominierten die Börse 2025. Dies überlagerte kursseitig oft die operative Exzellenz „langweiliger“ Gewinnmaschinen.

• Schwache US-Währung: Euro-Investoren leiden temporär, profitieren aber langfristig durch steigende Bilanzgewinne.

• Narrative überlagern Fakten: KI- und Rüstungs-Boom verdecken die operative Realität vieler Unternehmen.

• Intaktes Fundament: Portfoliofirmen beweisen Widerstandsfähigkeit und bauen Unternehmenswert auf.

Gegenwind an der Börse, Stabilität im Geschäftsmodell

Der Rückblick auf das Jahr 2025 zeichnet ein Bild, das an der Börse immer wieder zu beobachten ist: Die Kursentwicklung vieler Unternehmen entfernt sich vorübergehend deutlich von ihrer operativen Realität - im Positiven wie Negativen.

Politische Unsicherheit, insbesondere ausgelöst durch die Wirtschafts- und Zollpolitik von Donald Trump, damit verbunden ein kräftig abwertender US-Dollar sowie Börsennarrative rund um Künstliche Intelligenz und Rüstung dominierten die Märkte. Für Euro-Anleger überlagerte der Währungseffekt des schwachen US-Dollars dabei vieles – und belastete die Kursperformance profitabel wachsender US-Unternehmen. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist die Frage, wie belastbar die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle der Portfoliounternehmen in diesem Umfeld geblieben sind.

2025 wurde von drei Kräften geprägt, die sich gegenseitig verstärkt haben:

Zollpolitik, erratische Ankündigungen und Eingriffe in wirtschaftliche Prozesse führten zu Unsicherheit, gestörten Handelsströmen, höherem Preisniveau und verunsicherten Konsumenten – insbesondere in den USA, aber auch in China.

Für Euro-Anleger war der US-Dollar 2025 der wichtigste Performance-Hebel – allerdings in negativer Richtung.

Massive Investitionsankündigungen, hohe Erwartungen und starke Kapitalflüsse prägten die Märkte – häufig losgelöst von messbarer Wertschöpfung. Dieses Umfeld erklärt, warum sich Kursentwicklung und operative Realität vieler Unternehmen zeitweise deutlich voneinander entfernt haben.

Absolute und relative Performance – bewusst getrennt betrachtet

Der wichtigste und größte Belastungsfaktor 2025 war die deutliche Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro. Der Hauptgrund für das absolute Minus im Jahr 2025 ist also nicht bei den Portfoliofirmen selbst zu suchen, sondern die Gründe sind primär exogener Natur und lassen sich klar benennen: Die Kombination aus Donald Trumps Wirtschaftspolitik und einer massiven Währungsverschiebung.

An vielen Entwicklungen ist Donald Trump initial beteiligt, viele Zweitrundeneffekte hat er zudem damit ausgelöst. Seine erratische Zollpolitik („Liberation Day“, Strafzoll-Ankündigungen) und die versuchte Einflussnahme auf das Federal Reserve System haben den US-Dollar massiv geschwächt. Der Devisenmarkt hat einen Bogen um den „Greenback“ gemacht, so wie sich Handelsströme neue Wege suchten. Da wir zu einem Großteil in den USA investiert sind (weil dort schlichtweg der Großteil der besten Unternehmen der Welt seinen Sitz hat), schlug die Währungsumrechnung in Euro voll durch:

• Währungsverlust: Der US-Dollar verlor gegenüber dem Euro im Jahresverlauf rund 12,2 %.

• Die Auswirkungen: Allein dieser Währungseffekt kostete uns beim Unternehmerfonds rechnerisch 5,3 Prozentpunkte an Performance, bei unserem Multi-Asset-Fonds, dem Unternehmerfonds flex, waren es 4,9 Prozentpunkte.

Hinzu kam ein direkter Zweitrundeneffekt auf unsere Unternehmen, denn die Zollzeche zahlen die Verbraucher: Weil die US-Konsumenten wegen des Zollwahns deutlich steigende Lebenshaltungskosten zu schultern hatten, übten sie sich in Zurückhaltung bei ihren Ausgaben. Die schwache Konsumlaune bekamen insbesondere Hersteller langlebiger Güter negativ zu spüren. Unternehmen aus der Auto-, Elektro- oder Möbelbranche, in die wir mit unseren Fonds bewusst nicht investieren, sehen sich in diesem Umfeld mit einer rückläufigen Nachfrage, also einem tatsächlichen Rückgang des Konsums und Absatzes, konfrontiert.

Geringeres Konsumwachstum, kein Einbruch der Konsumnachfrage

Gegen die schlechte Konsumstimmung sind zwar auch unsere US-Consumer Staples (Procter & Gamble, Church & Dwight, Colgate-Palmolive) nicht zu 100 % immun. Allerdings bedeutete die schlechte Konsumstimmung für die Consumer Staples keinen Einbruch oder Rückgang der Konsumnachfrage, sondern lediglich ein geringeres Konsumwachstum, anders als bei den Herstellern langlebiger Güter. Zugleich haben die Top-Consumer-Staples im letzten Jahr abermals unter Beweis gestellt, über welche außerordentliche Resilienz und Anpassungsfähigkeit sie verfügen. Diese besonderen Geschäftsmodellqualitäten sind ein entscheidender Faktor, weshalb das Geschäft der wettbewerbsüberlegenen nicht-zyklischen Konsumgüterunternehmen weiter gewachsen ist, wenn auch spürbar weniger stark.

Die Unternehmen nutzen die Stellschrauben ihres Geschäftsmodells und haben sich in den beiden letzten Quartalen bereits wieder aus der Wachstumsdelle herausgearbeitet. Bei einigen Firmen wie z.B. Church & Dwight liegt das Wachstum sogar schon wieder im Bereich des langfristigen Wachstumskorridors. Operativ sind die Firmen also auf Kurs.

Die Kehrseite der Medaille

Ein schwächerer US-Dollar ist kurzfristig schmerzhaft für die Performance. Das ist die eine, sofort sichtbare Seite der Medaille aus der Warte des Euro-Investors. Aber mit einem gewissen zeitlichem Versatz – wenn man die Medaille auf ihre Kehrseite dreht – wirkt der schwache US-Dollar in den Bilanzen global aufgestellter US-Unternehmen wie zusätzlicher Rückenwind.

Unsere US-Unternehmen erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb der USA. Ein schwächerer US-Dollar bedeutet deshalb ganz schlicht: Für jeden Euro, jeden Yen, jede andere Fremdwährung kommen mehr US-Dollar in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung an.

Diese Währungsgewinne sind real. Und diese zusätzlichen US-Dollar haben einen großen Vorteil: Sie fließen nach Steuern direkt in den Free Cash Flow. Ohne zusätzliche Risiken, ohne zusätzliche Investitionen. Der Free Cash Flow steigt also. Und wenn der Free Cash Flow steigt und das Bewertungsniveau unverändert bleibt, steigt der Unternehmenswert – und damit auch der Aktienkurs in US-Dollar. Das ist kein theoretisches Konstrukt.

Wir haben genau das bereits erlebt: In der langen Phase der US-Dollar-Abwertung von 2001 bis 2009, als der US-Dollar gegenüber dem Euro rund 50 Prozent verlor, war es genauso. Anfangs sah es in Euro unerquicklich aus. Nach einigen Quartalen jedoch stiegen die Free Cash Flows der global tätigen US-Unternehmen schneller, als der US-Dollar fiel – und die Aktienkurse in US-Dollar zogen entsprechend an. Auch wir Euro-Investoren haben damals mit US-Exposure wieder Geld verdient. Das wird auch diesmal nicht von heute auf morgen passieren. Ob es zwei, vier oder acht Quartale dauert, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Aber dass dieser Effekt kommt, ist ökonomisch zwingend.

Kurzfristig bremst der schwache Dollar die Performance. Mittel- bis langfristig wirkt er bei unseren global aufgestellten Qualitätsunternehmen wie ein zusätzlicher Gewinnhebel.

Google und andere Daily Used Tech-Firmen zeigten 2025, wie schnell sich der Wind drehen kann. Vielen Consumer Staples ist das trotz solider Leistung vergönnt geblieben. Denn ihr Wachstum verlangsamte sich (sic!), was viele Analysten nahezu panisch hyperventilieren ließ, und „der Markt“ auf Abstand ging. Für uns ist der schwache Dollar kein Grund zur Unruhe – sondern ein Thema, das Geduld erfordert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Momentum schlägt Qualität – vorübergehend

2025 war ein Jahr, in dem Börsenrenditen stark von wenigen Sektoren und wenigen sehr großen „Titeln“ getragen wurden. Die Antwort auf die Frage nach den Gründen für die relative Underperformance unserer Fonds liegt in einer extremen Marktkonzentration und einer „Momentum-Strategie“, die wir als qualitätsorientierte Investoren nicht mitgehen.

Eine Analyse der Marktstruktur zeigt ein gefährliches Bild: Die Performance der großen Indizes 2025 wurde von extrem wenigen Aktien / Segmenten getrieben. Die Marktbreite fehlte völlig. Der Markt belohnte 2025 Momentum (das, was gerade steigt, wird weiter gekauft) und nicht Qualität (Substanz, Cash Flow, Sicherheit). Wer nicht genau in diesen wenigen Hype-Titeln oder Segmenten investiert war, blieb beinahe zwangsläufig zurück.

Wir als Wagner & Florack investieren mit unseren beiden Unternehmerfonds nicht in einen Index. Wir investieren in Unternehmen. Und das führt zu bewussten Abweichungen, vor allem dann, wenn der Markt in Teilen irrational wird oder die Bewertungen in bestimmten Bereichen über die Stränge schlagen.

No-Gos für unsere Investmentstrategie

Einige Börsensegmente, die 2025 besonders stark liefen, zählen seit jeher zu den No-Gos unserer Investmentstrategie. Zugegeben: Diese (risikobehafteten) Bereiche können zeitweise sehr gut laufen. Sie bieten aus unserer Sicht jedoch keine substanzielle Investitionssicherheit und auch langfristig keine Aussicht auf verlässlichen Investitionserfolg – und genau deshalb investieren wir dort nicht.

Die Zugpferde in 2025. Wir meiden
sie wegen der sehr hohen Zyklik, der schlechten Planbarkeit
und der großen Disruptions- und Wettbewerbsrisiken.

Auch Banken gehörten zu den großen „Börsen-Gewinnern“. Hohe Fremdkapitalquoten / eine strukturell hohe Verschuldung, undurchsichtige Bilanzrisiken sowie politische und regulatorische Abhängigkeit machen sie zu einem langfristigen Risikoinvestment und stellen daher für uns als sicherheitsorientierte Investoren ein weiteres No-Go dar.

Rüstungsfirmen wuchsen und wachsen umsatzseitig stark. Nicht so jedoch der unternehmerische Gewinn (Free Cash
Flow), da die notwendigen Investitionen in nahezu gleichem Maße stiegen und weiter steigen. Die Firmen sind der Inbegriff von Kapitalintensität, weisen allenfalls begrenzte Skaleneffekte auf und sind strukturell margenschwach. Zudem hängen sie am Tropf ihrer staatlichen Auftraggeber, sprich: Regierungen. Obwohl die Nachfrage nach Militärgütern explodiert, fehlt es den Rüstungsherstellern an Preissetzungsmacht, weil die Preise von den Verteidigungsministerien diktiert werden. Hinzu kommt, dass die (extrem hohen) Bewertungen nicht ansatzweise die ökonomische Realität widerspiegeln.

Index-Konzentration und Momentum – warum wir bewusst anders investieren

Viele Anleger sind heute stark indexnah investiert – oft ohne es aktiv zu entscheiden. Das hat eine Nebenwirkung, die man nüchtern betrachten muss: Denn Kapital fließt automatisch stärker in das, was bereits groß und teuer ist. Indexlogik bedeutet: Steigende Marktkapitalisierung führt zu höherem Indexgewicht, was zu mehr Kapitalzufluss führt. Ökonomisch betrachtet ist das Momentum, nicht Qualitätsselektion. Was gestiegen ist, wird stärker gekauft; was größer ist, wird lieber gekauft. Zeitweise! Momentum ist jedoch keine Einbahnstraße. Es kann auch in die andere Richtung umschlagen, wenn die vorherrschenden Börsennarrative in Frage gestellt werden. Wie viele ETF-Anleger sich dieses Risikos bewusst sind?

Kurzfristig gleicht die Börse einem Barometer, das durch Stimmungen, Emotionen, Hypes und Noise beeinflusst oder verzerrt sein kann. Langfristig zählt dagegen, welches Gewinnwachstum und welche Gewinnqualität ein Unternehmen auf die Börsen-Waagschale legen kann. Langfristig gilt: Unternehmensgewinne dominieren Börsenpsychologie.

Das Investieren in handverlesene Geschäftsmodelle hoher Qualität zu angemessenen Bewertungen führt in Momentum-Phasen kurzfristig zu relativer Underperformance – senkt aber langfristig die Wahrscheinlichkeit substanzieller Verluste und ist darüber hinaus der langfristige Garant für attraktive Renditen.

Gerade weil Indizes heute oft von wenigen Schwergewichten dominiert werden, ist eine zentrale Frage für Investoren: Ist mein Portfolio in beständiger „Qualität“ investiert, die als Investment-Fels in der Brandung auch dann standhält, wenn alte Börsentrends durch neue abgelöst werden oder sich im Nachhinein als substanzlose Modetrends erweisen? Oder ist das Portfolio in Wahrheit in wenigen Unternehmen, Branchen und „Trends“ konzentriert, die auch (abrupt) enden können?

Magnificent Seven – selektiv, nicht pauschal

Im Zuge der Indexkonzentration wird häufig über die großen „Glorreichen Sieben“ so gesprochen, als wären sie alle gleichartig. Diese Sichtweise halten wir für gefährlich und falsch. Wir sind bewusst nur in vier der Magnificent Seven-Unternehmen investiert: Alphabet (Google), Apple, Microsoft und Meta (hier mit geringer Gewichtung). Warum? Weil diese Unternehmen echte Ökosysteme besitzen, die bereits heute massive, profitable Cash Flows generieren – unabhängig vom nächsten Hype und mit deutlich geringeren Disruptionsrisiken z.B. durch Künstliche Intelligenz.

Unsere „Magnificent 4“

Vier der sieben großen Tech-Unternehmen aus den USA sind als Daily Used Tech-Firmen wichtiger Bestandteil unserer Portfolios: Apple, Google, Microsoft und Meta. Denn diese vier Unternehmen einen folgende Eigenschaften, die sie von den anderen Tech-Unternehmen unterscheiden:

  • tägliche Nutzung (Daily Used Tech)

  • verlässliche Monetarisierung

  • hohe Cash Flows

  • starke Netzwerkeffekte

  • kapitalleichte Skalierung

  • makellose Bilanzen

KI und unsere Daily Used Tech-Unternehmen

Künstliche Intelligenz prägte 2025 die Börse wie kaum ein anderes Thema – und zeigte zugleich, wie anfällig dieses Feld für Übertreibungen und Stimmungsumschwünge ist.

Der „DeepSeek-Schock“ zu Jahresbeginn lieferte dafür ein Lehrstück: Die Meldung, ein chinesisches KI-Modell komme ohne modernste GPUs von Nvidia aus, ließ binnen Stunden enorme Börsenwerte bei Halbleiterunternehmen verschwinden. Für kurzfristig orientierte Marktteilnehmer ein Schock, für langfristige Investoren eine Randnotiz.

Die zentrale Erkenntnis: Sinkende Kosten für Rechenleistung sind kein Risiko, sondern eine Voraussetzung für die breite wirtschaftliche Nutzung von KI. Langfristig profitieren nicht Anbieter austauschbarer Infrastruktur, sondern Unternehmen, die KI in bestehende, hochprofitable Geschäftsmodelle integrieren.

Genau hier liegt die Stärke unserer Daily Used Tech-Beteiligungen wie Alphabet und Microsoft. Beide investierten 2025 massiv in KI, ohne ihre Kapitalrenditen dafür opfern zu müssen. Alphabet erzielte trotz hoher Investitionen eine Free Cash Flow-Marge von rund 24 %, Microsoft näherte sich zeitweise der 30 %-Marke. KI ist bei diesen Firmen kein Selbstzweck, sondern ein Produktivitäts- und Wachstumstreiber, der bereits heute erfolgreich monetarisiert wird.

Der Gewinner im Depot war 2025 Alphabet, der Mutterkonzern von Google. Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch, dass Alphabet das KI-Powerhouse ist. Die Folge: Der Aktienkurs wurde in US-Dollar um rd. 63 % nach oben katapultiert (in EUR entsprechend 12,2 Prozentpunkte weniger).

Die Aktienkurse anderer Daily Used Tech-Firmen im Depot - Apple, Meta, aber auch Visa – haben in US-Dollar ebenfalls solide zugelegt. Hier wirkte sich aber die US-Dollar-Schwäche aus, so dass es in Euro gerechnet kaum einen Kurszuwachs gab. Gleichwohl bleibt es dabei, dass der Wert dieser Unternehmen in 2025 weiter gestiegen ist.

Substanz überzeugt, nicht die bloße Kusphantasie

Gleichzeitig meiden wir andere prominente Namen, weil uns dort – trotz möglicher Kursphantasie – die Substanz- und Gewinnqualität im Verhältnis zur Bewertung oder die Planbarkeit der Ertragskraft nicht überzeugt.

Elon Musks Versprechungen klingen faszinierend, sie sind aber kein Fundament für ein langfristiges Investment. Schaut
man nüchtern auf das, was zählt, nämlich Cash Flow-Qualität, Preissetzungsmacht, Stabilität der Margen und Planbarkeit des Geschäfts, zeigt sich, dass die Bewertung an der Börse völlig losgelöst von den fundamentalen Realitäten Teslas ist.

Wenn sehr viel Kapital in Unternehmen fließt, deren Cash Flow-Profil und Stabilität diese Erwartungen nicht trägt, dann
entsteht häufig eine massive Fehlallokation von Kapital. Das kann eine Zeit lang gutgehen – bis es das nicht mehr tut. Dieses Risiko akzeptieren wir nicht ansatzweise als „Preis“ für kurzfristiges „Mitschwimmen“.

Ein Beispiel dafür liefert Nvidia. Wir halten die Firma für ein außergewöhnlich gutes Unternehmen, das hochprofitabel
ist. Trotzdem investieren wir nicht. Wenn, wie bei Nvidia, Geschäftsmodelle zunehmend komplex werden, wenn wir
schwer kalkulierbares Risiko sehen oder – wie im Falle von Nvidia – der „Burggraben“ schlecht einzuschätzen ist, gehen wir auf Distanz. So greifen Alphabet und andere den Burggraben von Nvidia mit eigenen Chip-Entwicklungen an. Auch der KI-Infrastrukturaufbau wird sich verlangsamen und nicht bis in alle Ewigkeit diese rasanten Wachstumsraten haben, die scheinbar aber viele Investoren bei ihrem Anlagekalkül unterstellen.

Kurzum: Auch wenn uns der extrem starke Kursanstieg von Nvidia (und anderer „Highflyer“) gut zu Gesicht gestanden hätte: Wir üben uns mitunter im bewussten Renditeverzicht und gehen stattdessen geschäftsmodellbedingten Risiken lieber aus dem Wege.

Relative Underperformance: Consumer Staples – der Fels in der Brandung

Ein wesentlicher Grund für die Wertentwicklungen der Unternehmerfonds rührt – neben dem US-Dollar – von unserer bewusst hohen Gewichtung in wettbewerbsüberlegenen, nicht-zyklischen Konsumgüterherstellern (Consumer Staples) her.

Mehr als 40 % unseres Portfolios sind in hochprofitablen Langweilern wie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive, L’Oréal, Lindt & Sprüngli oder Church & Dwight investiert. Vermutlich kein anderes Portfolio, kein anderer Fonds ist derart sicherheitsorientiert investiert. Wir hingegen tun dies bewusst – und zwar aus der Brille des Eigentümers, der es mit Firmen mit den geringstmöglichen Geschäftsmodellrisiken bei gleichzeitig verlässlichem und profitablem Wachstum zu tun haben will.

In einem Jahr wie 2025, in dem auf „Risiko“ gesetzt wurde, wurden diese defensiven Anker vom Markt links liegen gelassen.

Aktienportfolio Renditebeitrag 2025

Alphabet + 3,13 %
Lindt & Sprüngli + 0,55 %
Roche + 0,53 %
L'Oréal + 0,40 %
Reckitt + 0,39 %
Colgate-Palmolive - 0,97 %
Beiersdorf - 1,04 %
Adobe - 1,05 %
Church & Dwight - 1,55 %
Procter & Gamble - 1,77 %

Alle Angaben ohne Gewähr, Quelle: KVG. Stand der Daten: 30.12.2025

Consumer Staples: Währungseinfluss vs. operatives Geschäft

Beim Blick auf die Kursentwicklungen etlicher Consumer Staples mag man meinen, das Geschäft der Firmen entwickele sich schwach. Tatsächlich war nur die Börsenbewertung (und der US-Dollar) schwach – und das ist ein großer Unterschied. Wir müssen unterscheiden zwischen dem Aktienkurs (der Stimmung) sowie dem Währungseinfluss einerseits und dem operativen Geschäft (der Realität der Unternehmen) andererseits.

Die operative Realität: Ein Fels, den nichts umhaut

Wenn wir sagen, dass unsere Consumer Staples der Fels in der Brandung sind, dann meinen wir damit das Geschäft selbst. Mit dem Fels in der Brandung ist nicht der Aktienkurs gemeint, der kurzfristig schwanken kann, sondern die Ertragskraft. Man muss sich vergegenwärtigen, was diese Firmen in den letzten Jahren alles weggesteckt haben:

  • Die Corona-Pandemie mit all ihren Verwerfungen.

  • Extreme Lieferkettenstörungen.

  • Eine massive Kosteninflation.

  • Die Immobilien- und Konsumkrise in China.

  • Und 2025: Zoll-Unsicherheit und US-Konsumzurückhaltung.

Das Ergebnis? Die Consumer Staples stehen immer noch

Mehr noch: Sie wachsen. Sogar unter diesen widrigsten Umständen sind unsere Top-Consumer-Staples im Jahr 2025 gewachsen. Zwar verlangsamt, aber sie wuchsen. Und was noch entscheidender für die langfristige Wertschöpfung ist: Sie halten oder steigern ihre Margen. Der Fels in der Brandung ist also das robuste Geschäft, das dank enormer Preissetzungsmacht und Effizienz selbst bei heftigem Gegenwind stabile Erträge liefert.

Die Top-Consumer-Staples haut operativ nichts um:

Procter & Gamble verteidigte seine Profitabilität durch einen sehr guten Mix aus Preisstrategie und Produktivität.

Lindt & Sprüngli wuchs trotz explodierender Kakaopreise zweistellig, weil die (Premium-) Marke so stark ist, dass Kunden die Preise akzeptieren.

Church & Dwight zeigte, wie man auch in der Nische bei schwachem Konsum stabil verdient.

Consumer Staples liefern ab, (partiell) auch an der Börse

Positive Kursentwicklungen gab es auch im Consumer Staples-Sektor: so beispielsweise bei Lindt & Sprüngli, Nestlé und L‘Oréal, um nur einige zu nennen. Vor allem zeigte das vergangene Jahr einmal mehr, warum wettbewerbsüberlegene Consumer Staples als langfristige Anker im Portfolio unverzichtbar sind – gerade weil ihre operative Stärke in schwierigen Marktphasen sichtbar wird, in denen andere Sektoren leiden. Sie spielen im Portfolio eine wichtige Rolle als langfristig verlässliche Performance-Lieferanten.

Consumer Staples als langfristiger Anker im Portfolio

Vor allem zeigte das vergangene Jahr einmal mehr, warum wettbewerbsüberlegene Consumer Staples wie Lindt & Sprüngli und L’Oréal als langfristige Anker im Portfolio unverzichtbar sind – gerade weil ihre operative Stärke in schwierigen Marktphasen sichtbar wird, in denen andere Sektoren leiden.

Besonders deutlich wurde dies am Beispiel von Lindt & Sprüngli. Während viele US-Consumer Staples 2025 an der Börse schwach performten, zeichnete sich Lindt & Sprüngli durch herausragende Preissetzungsmacht und Premium-Positionierung aus: Das Unternehmen erzielte trotz historisch hoher Kakaopreise robustes organisches Wachstum und steigerte seine Margen sogar leicht, indem es Preissteigerungen konsequent durchsetzen konnte und seinen Umsatz organisch um 12,4 % steigerte. Die Fähigkeit, Kosteninflation in Preis- und Mengenvorteile umzuwandeln, demonstriert die besondere Widerstandskraft eines globalen Premium-Anbieters auch unter Stressbedingungen, ausgelöst etwa durch steigende Rohstoffpreise.

Ein weiteres Beispiel für strategische Stärke liefert L’Oréal: Mit der geplanten Übernahme der Luxus-Parfümsparte von Kering untermauert L’Oréal seine Fähigkeit, Marktanteile langfristig auszubauen und profitable Plattformen zu stärken, vor allem dann, wenn schwierige Marktbedingungen oder hausgemachte Probleme den Wettbewerbern zu schaffen machen. Der milliardenschwere Deal erweitert das Portfolio um begehrte Premium-Marken im wachsenden Duft- und Beautysegment und positioniert L’Oréal für weiteres Wachstum in attraktiven globalen Märkten.

Das beeinflusste 2025 Consumer Staples

Dass die Aktienkurse etlicher Consumer Staples 2025 schwach waren – gerade aus Euro-Sicht – hatte zwei Hauptgründe:

1. US-Dollar-Effekt

Ein spürbarer Teil der Wahrnehmung war die Währung. Die US-Consumer Staples „können“ nichts für einen politisch und kapitalflussgetrieben schwächeren US-Dollar. Für Euro-Anleger ist das kurzfristig belastend – aber es ist kein Geschäftsmodellproblem. Hier eine einfache Veranschaulichung für das Jahr 2025 anhand des iShares S&P 500 Consumer Staples ETF:

US-Consumer-Staples (USD, Total Return): ca. + 3,9 %

US-Consumer-Staples (EUR): - 8,9 %

2. Kurzfristige Börsenlogik

Wenn Märkte auf „Wachstumshoffnung“ und „Sektortrends“ starren, werden „langweilige“, stabile Gewinnmaschinen oft ignoriert. Das ist kein neues Phänomen – es ist eine zyklische Bewertungsverschiebung.

Fazit: Consumer Staples bleiben tragende Säule im Portfolio

Diese Beispiele illustrieren, warum wir an Consumer Staples als tragende Säule unserer Strategie festhalten: Sie verbinden stabile Nachfrage, Preissetzungsmacht und margenstarke Geschäftsmodelle, die – gerade in herausfordernden Marktphasen – nicht nur operativ intakt bleiben, sondern oft an Marktanteilen gewinnen. Genau diese Eigenschaften begründen unseren Investment-Case und unterscheiden echte Gewinner langfristig von kurzfristigen Modetrends.

Performance-Attribution

Der Rest der geschilderten Performance 2025 erklärt sich daraus, dass unsere „sonstigen“ Gewinnmaschinen wie Hermès, Danaher und Rational zwar auch 2025 ordentliches bis starkes Umsatzwachstum und gewohnt hohe und satt steigende Margen erwirtschaftet haben, die Kursperformance dennoch unauffällig war (da sie keine Panzer herstellen und keine Chips produzieren…)

Lesen Sie hier Ausgabe 01/2026 des Investorenbriefs.

Disclaimer: Sämtliche Angaben und Inhalte dieses Blogs enthalten ausschließlich die subjektive Meinung des Erstellers; sie erfolgen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Empfehlung oder Aufforderung zur Zeichnung, zum Kauf, zum Verkauf, zum Tausch oder zum Halten bestimmter Finanzinstrumente dar. Weder durch die Lektüre dieses Blogs, noch durch die darin ausgesprochenen Empfehlungen oder wiedergegebenen Meinungen kommt ein Anlageberatungs- oder Anlagevermittlungsvertrag zustande. Jegliche Entscheidung zur Zeichnung, zum Kauf oder zum Verkauf in Bezug auf ein in diesem Blog erwähntes Finanzinstrument sollte nicht auf Grundlage dieses Blogs, sondern ausschließlich nach vorheriger eingehender Beratung durch einen professionellen Anlageberater oder Vermögensverwalter erfolgen. Die vorliegenden Angaben können eine auf Ihre individuellen Verhältnisses und Ihre Anlageziele zugeschnittene Beratung nicht ersetzen. Die Ausführungen stellen auch keine Anlagestrategieempfehlung i.S.d. Artikels 3 Absatz 1 Nummer 34 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 oder Anlageempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 dar und unterliegen daher nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit. Der Herausgeber/Ersteller und die von ihm zur Erstellung dieses Blogs beschäftigten Personen haben die größtmögliche Sorgfalt darauf verwandt, sicherzustellen, dass die für diesen Blog verwendeten und zugrundeliegenden Tatsachen vollständig und zutreffend sowie die herangezogenen Einschätzungen und aufgestellten Prognosen realistisch sind. Die zugrunde gelegten Informationen und Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, die vom Herausgeber/Ersteller für zuverlässig gehalten werden. Gleichwohl kann der Herausgeber/Ersteller keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit oder Qualität der Informationen und Daten übernehmen. Einschätzungen geben die Meinung des Herausgebers/Erstellers zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Der Herausgeber/Ersteller dieses Blogs hat die zugrunde gelegten Informationen nicht auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und übernimmt für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen keine Haftung. Insbesondere haftet er nicht für indirekte und/oder direkte Schäden und/oder Folgeschäden. Der Herausgeber/Ersteller dieses Blogs übernimmt ferner keine Gewähr oder Haftung für die Angemessenheit der herangezogenen Einschätzungen oder für den Eintritt der aufgestellten Prognosen. Jede Investition in Aktien und anderen Finanzinstrumente ist mit Risiken behaftet, die je nach Produkt sogar bis zu einem Totalverlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen können. In der Vergangenheit erzielte Erfolge bieten keine Gewähr für künftige Entwicklungen. Die Veröffentlichung kann durch aktuelle Entwicklungen überholt sein, ohne dass die in ihr enthaltenen Informationen geändert wurden. Der Herausgeber/Ersteller hat keine Aktualisierungspflicht. Er weist darauf hin, dass Änderungen in den verwendeten und zugrunde gelegten stichtagsbezogenen Daten und Tatsachen bzw. in den herangezogenen Einschätzungen maßgeblichen Einfluss auf die Gesamteinschätzung haben können. Etwaige Ausführungen zu steuerlichen Gegebenheiten beinhalten lediglich allgemeine Angaben, die auf der Grundlage des derzeit geltenden Rechts erfolgen. Die Ausführungen stellen keine Steuerberatung dar, sie ersetzen nicht die Beurteilung Ihrer individuellen steuerlichen Verhältnisse durch einen Steuerberater.
Bevor Sie sich zum Abschluss eines Geschäfts aufgrund der im Blog kommunizierten Meinungsäußerungen entschließen, vergewissern Sie sich bitte, dass Sie die Funktionsweise des Geschäfts und die sich hieraus für Sie ergebenden Folgen verstehen. Wir empfehlen Ihnen, eine eigene Bewertung des beschriebenen Produkts dahingehend vorzunehmen, ob dies unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Situation und der von Ihnen verfolgten Ziele sowie der dem Erwerb innewohnenden typischen Risiken und Gewinnmöglichkeiten für Sie geeignet ist. Für diese Bewertung sollten Sie auch Auskünfte Ihrer eigenen Berater vor Abschluss des Geschäfts einholen. Der Herausgeber/Ersteller und die von ihm zur Erstellung dieser Veröffentlichung beschäftigten Personen haben die größtmögliche Sorgfalt darauf verwandt, sicherzustellen, dass die für diese Veröffentlichung verwendeten und zugrundeliegenden Tatsachen vollständig und zutreffend sowie die herangezogenen Einschätzungen und aufgestellten Prognosen realistisch sind.

Weitere Blogbeiträge