der Boom der KI-Investitionen ist das aktuell prägende Thema an der Börse. Die immense Nachfrage nach Rechenleistung und der Ausbau der KI-Infrastruktur, befeuert durch die hohen Investitionen der Hyperscaler, haben die Erwartungen an die Hersteller von Speicherchips stark steigen lassen – und mit ihnen die Aktienkurse. Es wäre naiv zu bestreiten, dass KI einen großen zusätzlichen Bedarf an Rechenleistung und Speicherkapazität erzeugt. Ebenso falsch wäre es jedoch unseres Erachtens zu glauben, dass die Nachfrage das Angebot so deutlich übersteigt wie aktuell bzw. die heutigen Wachstumsraten und Knappheitsrenditen dauerhaft fortzuschreiben.
Denn Speicherchips bilden einen eigenen, zeitlich begrenzten Superzyklus innerhalb des größeren KI-Zyklus. Aber auch ein Superzyklus bleibt ein Zyklus. Die temporäre Knappheit führt zu massiven Investitionen in dauerhafte Produktionskapazitäten. Damit wird das Angebot in der Zukunft deutlich steigen. Ob die Nachfrage im gleichen Tempo mitwächst oder gar mittelfristig abebbt, lässt sich dagegen nicht seriös prognostizieren. Genau deshalb betrachten wir den aktuellen Speicherchip-Boom mit Zurückhaltung: Nicht, weil wir den zusätzlichen KI-Bedarf unterschätzen, sondern weil wir heutige Knappheitsrenditen nicht ohne Weiteres in die Zukunft fortschreiben, während man den Eindruck gewinnen kann, die Börse schreibe die aktuellen Gewinne der Speicherchip-Hersteller in die weite Zukunft fort.
Wir stellen uns beim Thema Künstliche Intelligenz eine andere Frage: Welche Unternehmen können KI in echten Kundennutzen ummünzen und dauerhaft sowie profitabel monetarisieren? Unternehmen wie Microsoft, Apple oder Alphabet verfügen bereits heute über etablierte Geschäftsmodelle, starke Ökosysteme und Millionen Unternehmenskunden beziehungsweise Milliarden Endkunden. Sie können KI in bestehende Kundenbeziehungen und Produkte integrieren, damit den Kundennutzen erhöhen, ihre Wettbewerbsvorteile stärken und schlussendlich ihre Gewinne erhöhen. Entscheidend ist für uns also, ob aus den KI-Investitionen über die Zeit zusätzliche, hochprofitable Erträge entstehen.
In dieser Betrachtung liegt ein wichtiger Unterschied. Während Speicherchip-Hersteller ihre Kapazitäten kapitalintensiv in Erwartung einer dauerhaft hohen Nachfrage erweitern, integrieren Skalenweltmeister wie Apple oder Alphabet KI in ihre bereits bestehenden Ökosysteme und generieren damit langfristig zusätzlichen Umsatz und Gewinn. Für uns ist deshalb weniger entscheidend, wer kurzfristig von Knappheit profitiert. Für uns ist entscheidend, wer über viele Jahre zusätzliche Erträge auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften kann.
Gerade wenn ein Thema die Börse beherrscht, lohnt sich der Blick über den Tellerrand: Deshalb beschäftigen wir uns mit dem Compounding-Effekt – also der Frage, wie Unternehmen durch hohe Kapitalrenditen, kluge Reinvestitionen und Zeit ihren inneren Wert steigern können.